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Beschäftigte bei Kipepeo in Tansania
Tip me: Digitales Trinkgeld, das ankommt

16.02.2022: Vom Preis eines Kleidungsstücks oder eines Paars Schuhe kommen im Durchschnitt nur etwa drei Prozent bei den Menschen in aller Welt an, die die Produkte tatsächlich hergestellt haben. Dabei sind die Geldflüsse im globalen Kontext äußerst intransparent und für die Konsumierenden hierzulande nicht nachvollziehbar. tip me will mit seinem Konzept eines globalen Trinkgeldes gegensteuern und dafür Sorge tragen, dass die Unterstützung „von Mensch zu Mensch“ direkt bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ankommt.

„Stell’ Dir vor, Du kaufst ein paar Schuhe und könntest ein Trinkgeld direkt an die Näher*innen geben“ – genau das will tip me ermöglichen. Konsumierende können beim Onlinekauf mit nur einem Klick ein „globales Trinkgeld“ direkt an die Produzierenden in aller Welt geben. Dabei verspricht die tip me Global GmbH mit Sitz in Berlin, dass das gesammelte Trinkgeld direkt, sicher und zu 100 Prozent auf das Handy jedes einzelnen Menschen hinter dem Produkt überwiesen wird.

Zum ersten Mal wurde das globale Trinkgeld im Onlineshop vom Münsteraner Schuhhersteller „bayti hier“ eingeführt. Die Schuhe, Klamotten und Accessoires werden von Mohammed und Ilham genäht. Das syrische Ehepaar lebt in Münster und hat mit der Marke „bayti hier“ einen Weg gefunden haben, deutsche und syrische Kultur in einem Kleidungsstück zu vereinen. Mit dem Trinkgeld möchte Ilham mehr Deutschunterricht nehmen und Mohammed einen Führerschein in Münster machen.

„Eine Brücke zwischen den KonsumentInnen und unserem Team“

Das Stuttgarter Sozialunternehmen Kipepeo Clothing setzt das Tool tip me in seinem Onlineshop für T-Shirts ein, um den Beschäftigen (Fotos) in den Produktionsstätten in Kenia und Tansania auf dem digitalen Weg ein Trinkgeld zukommen zu lassen. Martin Kluck, Inhaber von Kipepeo Clothing: „Für uns ist tip me zu einem unverzichtbaren Tool geworden, da wir unsere NäherInnen in Kenia durch die ausgeschütteten Trinkgelder in großem Umfang unterstützen können. Zudem schlägt Tip me eine Brücke zwischen den KonsumentInnen und unserem Team, was einfach ein großartiger Mehrwert für uns als Hersteller ist.“ Beim Onlineeinkauf wird das Trinkgeld in Höhe von einem, zwei oder fünf Euro direkt in den Warenkorb gelegt. Von dort wird es über das tip-me-Tool an die Produzierenden ausgezahlt.

Ein kleiner Cent-Betrag, Kaffee oder einfach nur Entwicklungszusammenarbeit

Hinter Tip Me stecken drei Menschen aus Berlin, die mit dem Startup-Unternehmen tip me Global etwas bewegen wollen. Der Gründer Jonathan Funke hatte die zündende Idee für tip me bei einer Demonstration gegen den Fast-Fashion-Riesen Primark. Nur drei Prozent des Preises für ein T-Shirt gehen an dessen Näherinnen und Näher. Es bräuchte also nur einen kleinen Cent-Betrag, um deren Löhne zu verdoppeln. Um zu gewährleisten, dass dieses Geld auch sicher ankommt und die Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter verbessert, gründete er das soziale Startup tip me. Für sein Engagement wurde er bereits unter anderem mit dem Green Tech Award ausgezeichnet.

Der Mitgründer Robin Collin, der über seine Liebe zu Kaffee auf das Thema sozio-ökologische Nachhaltigkeit kam, ließ sich von Jonathan Funke auf einer Konferenz zum Thema Lieferketten begeistern und beschloss, tip me in Verbindung mit seiner Bachelorarbeit in “Supply Chain Management” wissenschaftlich zu untersuchen und den Einfluss von transparenten Lieferketten (Supply Chain Transparency) auf einen nachhaltigen Konsum aufzuzeigen. „Denn erst wenn wir wissen, welche Praktiken und Personen hinter unseren Produkten stehen, können wir eine bewusstere Kaufentscheidung treffen“, lautete seine Überzeugung.

Helen Deacon als dritte Mitgründerin ist der festen Überzeugung, dass es keine Entwicklungshilfe, sondern Entwicklungszusammenarbeit braucht. In diversen Projekten weltweit unterstützte sie Menschen in absoluter Armut. Und dies nicht nur durch den Bau von Häusern, sondern vor allem, indem sie ihnen Ressourcen, Strukturen und Selbstbewusstsein gab, ihre Probleme in die eigene Hand zu nehmen. Genau diesen Ansatz, Menschen ihre Träume zu ermöglichen, trägt sie nun bei tip me weiter. Als Mitgründerin von TECHO Deutschland und Master Absolventin in Peace and Security Studies bringt sie viel Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit und lokalen Akteuren mit.

Tip me zieht größere Kreise

Neben „bayti hier“ und Kipepeo Clothing setzen auch Labels wie Ethletic, Dawn Denim, Adventsome oder Hirschkind auf tip me. Der Outdoor-Spezialist prüft den den Einsatz des globalen Trinkgeldes derzeit. Zudem gibt es erste Ladengeschäfte in Münster, München und Berlin, wo Kundinnen und Kunden über einen QR Code im lokalen Laden Trinkgeld geben können.


Tip me: Digitales Trinkgeld, das ankommt – alle News lesen Sie regelmäßig auch im Aka-Tex Newsletter.

Logo der Gemeinwohlökonomie
In eigener Sache: Aka-Tex erstellt erste Gemeinwohlbilanz

23.12.2022: Es ist vollbracht, im Dezember knallten die Sektkorken: Die Akademie für Textilveredlung (Aka-Tex) als ein Unternehmen der Aka Merch & Textil GmbH erstellte ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht nach dem Berichtstandard der Gemeinwohlökonomie (GWÖ), einer nichtfinanziellen Berichterstattung zur Nachhaltigkeit gemäß EU-Richtlinie EU COM 2013/207. Somit darf sich die Aka-Tex nun offiziell als Gemeinwohl-Unternehmen bezeichnen.

Wir sind Gemeinwohl-Unternehmen und Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)

Die Aka Merch & Textil GmbH ist seit 2020 Mitglied der Gemeinwohlbewegung und steht am Anfang ihres Gemeinwohl-Prozesses. „Ich habe vieles schon immer im Sinne der Gemeinwohlökonomie umgesetzt, weil ich das Gemeinwohl schon immer über das Streben von Profit gestellt habe. Es sind aber die vielen, vielen kleinen Aspekte der Nachhaltigkeit, die wir zukünftig in der gemeinwohlorientierten Unternehmensentwicklung Schritt für Schritt verbessern wollen“, erklärt Stefan Roller-Aßfalg, Geschäftsführer der Aka Merch & Textil GmbH. „Das Ergebnis der Bilanzierung ist im Grunde genommen ein neuer Businessplan“

Das Unternehmen ist zwar nach geltendem EU-Recht nicht zur Offenlegung von nicht-finanziellen Informationen verpflichtet. Dennoch wurde die nun vorliegende Gemeinwohl-Bilanz auf freiwilliger Basis erstellt und soll alle zwei Jahre nach den GWÖ-Regeln erneuert werden. Roller-Aßfalg: „Ich habe den von der EU anerkannten GWÖ-Berichtsstandard für unseren Nachhaltigkeitsbericht gewählt, weil er in meinen Augen das beste Hilfsmittel ist, um ein Unternehmen zu hinterfragen. Das Ergebnis der Bilanzierung ist im Grunde genommen ein neuer Businessplan, der sich an Kooperationen, am fairen und transparenten Umgang mit Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden sowie am wirtschaftlichen Handeln in Bezug auf ethische Aspekte wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung orientiert. Die GWÖ-Bilanzierung ist ein ideales Instrument für eine zukunftsfähige, nachhaltige und gemeinwohlorientierte Unternehmensentwicklung.“

Die Gemeinwohl-Bilanz der Aka-Tex wurde in einer Peergroup Kölner Unternehmen unter Leitung von GWÖ-Beraterin Martina Dietrich (Sinnovation, Köln) erstellt. Weitere Mitglieder der Peergroup waren Karsten Geisler (Design | EDV-Trainings) und Oliver Kirchhof (Strategie | Change Management | Coaching). Die Peergroup traf sich für den Bilanzierungsprozess in sieben jeweils vierstündigen Workshops über den Zeitraum von März bis November 2021.

Der erste Aka-Tex Gemeinwohlbericht steht hier zum Download bereit.

Zudem ist der Aka-Tex Gemeinwohlbericht in der GWÖ Firmendatenbank veröffentlicht: https://audit.ecogood.org/firmenauskunft-2/?qrfkey=oosvv

Weitere Informationen zur Gemeinwohl-Ökonomie: https://web.ecogood.org/de/

Ein informatives, 5-minütiges Video zur Gemeinwohl-Ökonomie: https://www.youtube.com/watch?v=cVFvyd7SmxU&t=51s

Seminar

Interessierte Unternehmen können sich am 22. März 2022 in einem Seminar in Köln über das Thema Gemeinwohl-Orientierung informieren.

Bild: Siva Pavi / Fairtrade
Merchandise-Textilien des VfB Stuttgart nach Fairtrade-Textilstandard zertifiziert

15.10.2021: Mit der neuen Merchandising-Kollektion des VfB Stuttgart beweist der Fußball-Bundesligist, dass Fairplay auch abseits des Platzes möglich ist. Die 35 Teile aus der Kollektion sind die ersten Kleidungsstücke auf dem deutschen Markt, deren Lieferkette nach dem Fairtrade-Textilstandard zertifiziert ist. „Bei der Produktion unserer Kollektionen geht es nicht nur um Qualität, sondern auch um eine verantwortungsvolle Produktion, sprich um ökologische Grundprinzipien und faire Löhne. Deshalb wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen und sind sehr stolz, mit Brands Fashion einen Textilpionier an Bord zu haben, mit dem wir gemeinsam daran arbeiten können, den Anteil fairer Textilien im Sortiment weiter auszubauen“, erklärt Jens Bräunig, Direktor B2C des VfB Stuttgart.

Bisher waren Fan-Artikel wie T-Shirts, Hoodies oder Schlafanzüge GOTS-zertifiziert und aus Fairtrade-biologischer Baumwolle. Wie der VfB Stuttgart mitteilt, soll in Zukunft die komplette Wertschöpfungskette stärker in den Blick genommen werden.

Fairtrade-Pionier der ersten Stunde

Produziert werden die Kollektionsteile vom Textilunternehmen Brands Fashion im indischen Tiruppur. „Wir möchten eine strukturelle Veränderung in der asiatischen Textilproduktion einleiten und die Grundvoraussetzung dafür schaffen, dass Menschen von ihrem Lohn nicht nur überleben, sondern gut davon leben können und in der Lage sind, in die eigene Gesundheitsvorsorge oder die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren“, so Mathias Diestelmann, CEO von Brands Fashion. Seit 2016 setzt sich das Buchholzer Unternehmen für den Aufbau einer fairen Textilproduktion nach dem Fairtrade-Textilstandard ein. „Fünf Jahre hat es gedauert, diesen starken Standard in der gesamten Lieferkette umzusetzen. Kein anderer Standard ist so anspruchsvoll und verlangt derart viel von den beteiligten Akteuren. Dafür ist er auch der Einzige, der einen wirklichen Unterschied für Arbeiterinnen und Arbeiter macht“, sagt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von Fairtrade Deutschland.

Als einziger Standard am Markt gibt er einen Zeitrahmen von sechs Jahren für die Erreichung existenzsichernder Einkommen vor. In der Regel wird in der Textilindustrie weltweit lediglich der gesetzlich festgelegte Mindestlohn gezahlt – zum Teil sogar weniger. Ein sogenannter existenzsichernder Lohn liegt deutlich darüber und ermöglicht Familien, Investitionen in die Zukunft sowie das Sparen für Notlagen.

Arbeitsbedingungen in der gesamten Textilindustrie verbessern

Das Ziel des Fairtrade-Textilstandard ist es, die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter in der gesamten Textilindustrie zu verbessern. Um Produkte mit dem Textilsiegel auszeichnen zu dürfen, muss die gesamte Lieferkette zertifiziert sein – von den Entkörnungsbetrieben, Spinnereien, Stoffproduktion über Färbereien bis zu den Konfektionierungsbetrieben. Die verwendete Baumwolle wird von Fairtrade-Produzenten angebaut und nach dem Fairtrade-Baumwollstandard zertifiziert und gehandelt. Zudem muss jedes Produkt ein Etikett tragen, das Auskunft darüber gibt, wie weit das jeweilige Unternehmen oder die Marke auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen ist. Verbraucher können so auf einen Blick erkennen, ob das Produkt aus einer Lieferkette stammt, in der existenzsichernde Löhne bereits erreicht wurden.


Merchandise-Textilien des VfB Stuttgart nach Fairtrade-Textilstandard zertifiziert – Veranstaltungen der Akademie für Textilveredlung zu Themen wie GOTS, Grüner Knopf und Ecodesign finden Sie hier.

Unterzeichnung der Erklärung
Diakonie und Caritas suchen gemeinsamen Weg zur nachhaltigen Textilbeschaffung

18.06.2021: In einer gemeinsamen Absichtserklärung haben das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Deutsche Caritasverband und die Diakonie Deutschland im September 2020 die strategische Bedeutung des Themas der nachhaltigen Textilbeschaffung unterstrichen. Zur Unterstützung kirchlicher Einrichtungen bei der Umstellung auf nachhaltige Produktalternativen wurden „Business Scouts for Development“ in beiden Wohlfahrtsverbänden eingesetzt. Diese sollen Pioniereinrichtungen bei der Beschaffung nachhaltiger Arbeitskleidung und Flachwäsche eng begleiten, Plattformen für den Erfahrungsaustausch anbieten, praxisorientierte Handlungsempfehlungen erarbeiten und Expert*innen(wissen) zur Verfügung stellen.

Bei Diakonie und Caritas werden jeden Tag große Mengen an Bettwäsche, Handtüchern und Berufskleidung eingesetzt.

„Die Wertschöpfungskette von Textilien ist meist lang und komplex. Während der vielen Produktionsschritte werden Menschenrechte und Umweltschutz häufig nicht berücksichtigt. Mit nachhaltiger Beschaffung kann ein entscheidender Beitrag zur Wahrung von Menschen- und Arbeiter*innenrechten und Umweltschutz entlang der Lieferkette geleistet werden“, schreiben Caritas und Diakonie in einem gemeinsamen Papier. Hans Jörg Millies, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie (Bild, von links nach rechts) hatten die gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Die beiden Wohlfahrtsverbände sind, nach der öffentlichen Hand, Deutschlands zweitgrößter Beschaffer und verfügen daher nach Einschätzung der kirchlichen Einrichtungen über ein besonders großes Potenzial, durch ihre Nachfrage Markt und Produktionsweisen positiv zu beeinflussen. In beiden Wohlfahrtsverbänden zusammen gibt es allein 557.500 Plätze in stationären Einrichtungen der Alten- und Gesundheitshilfe, in denen 573.600 Menschen hauptberuflich arbeiten – jeden Tag werden große Mengen an Bettwäsche, Handtüchern und Berufskleidung eingesetzt.

Besonders in stationären Einrichtungen der Wohlfahrtspflege fallen große Mengen von Arbeitskleidung und Flachwäsche an. Einzelne Einrichtungen sind ihrer Vorbildfunktion bereits nachgekommen und wenden Nachhaltigkeitskriterien bei der Textilbeschaffung an. Nun wollen Caritas und Diakonie weitere kirchliche Pilotunternehmen im Projekt „Nachhaltige Textilien“ identifizieren, sich gemeinsam auf die Reise entlang der Lieferkette begeben und den Beschaffungsprozess auf nachhaltige Textilprodukte umstellen. Zur Erreichung der Ziele wird in den kommenden Wochen ein konkreter Fahrplan erarbeitet, der sich an den Bedarfen der teilnehmenden Einrichtungen ausrichtet. Diese erhalten zwischen Herbst 2021 und Frühling 2022 Unterstützung in verschiedenen Formaten und durchlaufen gemeinsam unterschiedliche Phasen des Beschaffungsprozesses.

Bild: Diakonie / Stephan Röger

Kontakt:
business-scout@csr-caritas.de
business-scout@diakonie.de


Diakonie und Caritas starten nachhaltige Textilbeschaffung: Die Akademie für Textilveredlung befasst sich in verschiedenen Seminaren regelmäßig mit Themen rund um Nachhaltigkeit und Zertifizierungen. Einen stets aktuellen Überblick über die Veranstaltungen gibt es hier: https://aka-tex.de/aka/#!/veranstaltungen

Against Modern Slavery
Mantis World sagt Nein zu Zwangsarbeit in Xinjiang und anderswo

24.02.2021: Nach Schätzungen zahlreicher Menschenrechtsorganisationen sind in der chinesischen Region Xinjiang rund eine Million Angehörige der Uiguren und weitere hauptsächlich muslimische Minderheiten inhaftiert. Über 250.000 Menschen wurden bereits verurteilt. Den Uiguren wirft die Regierung in Peking Separatismus und Terrorismus vor. Der Bekleidungshersteller Mantis World verurteilt die Menschenrechtsverletzungen scharf und sagt Nein zu Zwangsarbeit in den Arbeitslagern in Xinjiang. Rund 20 Prozent der weltweiten Baumwolle stammen aus der Provinz Xinjiang.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch, das „Australian Strategic Policy Institute“ (ASPI) und andere Organisationen verweisen in zahlreichen Studien und Berichten über gravierende Menschenrechtsverletzungen in den Arbeitslagern in Xinjiang, die von chinesischer Seite als Bildungseinrichtungen bezeichnet werden. Nach Medienberichten etwa des Spiegels, der Deutschen Welle oder des ZDF gehören Zwangsarbeit und die Verletzung der Menschenrechte zum Alltag in Xinjiang.

„Wir glauben, dass Transparenz der Schlüssel ist, um die Textilindustrie in eine gerechtere und offenere Branche zu verwandeln“

„Wir haben in letzter Zeit viele beunruhigende Nachrichten über Xinjiang gehört. Laut verschiedener Menschenrechtsgruppen wurden über eine Million Menschen aus der uigurischen Gemeinschaft, einer ethnischen Minderheit der Region, von der chinesischen Regierung festgenommen. Als Hersteller haben wir die Verantwortung, bei der Beschaffung unserer Rohstoffe die richtige Wahl zu treffen. Wir glauben, dass Transparenz der Schlüssel ist, um die Textilindustrie in eine gerechtere und offenere Branche zu verwandeln“, sagt Marion Mollenhauer vom englischen Bekleidungshersteller Mantis World. Zum Kern des Unternehmens gehört eine Rückverfolgbarkeit aller Mantis und Babybugz-Produkte, um den Kunden Klarheit zu geben über die Herkunft und Herstellung.

Das Textillabel setzt bereits seit 20 Jahren auf Fairness in der Lieferkette. Mollenhauer: „Schon früh hatte sich Mantis World gegen Baumwolle aus Usbekistan ausgesprochen, wo weithin über Zwangsarbeit von Erwachsenen und Kindern berichtet wird und eine intensive Überbewässerung aus dem Aralsee enorme Umweltschäden verursachte.“ 20 Prozent der weltweiten Baumwolle stammen aus China und werden hauptsächlich in der Provinz Xinjiang angebaut. Zudem wird etwa jedes fünfte Baumwollkleidungsstück weltweit in Xinjiang hergestellt. „Dabei ist den Kunden nicht bewusst, dass die Produkte möglicherweise von Sklavenarbeitern hergestellt wurden, die von einem Völkermord auf der anderen Seite der Welt betroffen sind“, sagt Marion Mollenhauer.

Belästigung, sexuelle Übergriffe, Folter und Zwangssterilisation

Zahlreiche Medienberichte beschreiben, dass die Inhaftierten von ihren Familien getrennt und in Arbeitslagern unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten werden. Beklagt werden Belästigung, sexuelle Übergriffe, Folter und Zwangssterilisation. Unter anderem werden die Häftlinge als unbezahlte Arbeitskräfte bei der Baumwollernte und Verarbeitung eingesetzt.

Die Baumwolle, die von Mantis World eingesetzt wird, stammt laut Hersteller ausschließlich von zertifizierten und geprüften Biobauern in Indien und Tansania. Die gesamte Lieferkette wird durch unabhängige Zertifizierungsstellen überprüft. Seit dem Jahr 2020 ermöglicht ein QR-Code auf dem Kleidungsstücke, den Weg der Produktion und die Herkunft der verwendeten Baumwolle nachzuvollziehen. Mollenhauer: „Wir werden weiterhin mit Organisationen zusammenarbeiten, die die Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren untersuchen und beleuchten. Wir werden unsere Stimme als Unternehmen einsetzen, um die Gräueltaten auszusprechen.“

Mantis World ist unter anderem Mitglied in den Organisationen Fair Wear Foundation und Textile Exchange, Zudem engagiert sich das Unternehmen im Rahmen von Fashion Revolution, die nach der Tragödie von Rana Plaza im Jahr 2013 gegründet wurde. Die Produkte werden nach verschiedenen Bio- und Ökostandards wie GOTS zertifiziert. (Aka-Tex)

www.mantisworld.com

 

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HAKRO wird Mitglied der Fair Wear Foundation
HAKRO wird Mitglied der Fair Wear Foundation

16.02.2021: Der Corporate-Fashion-Anbieter HAKRO ist seit Anfang des Jahres Mitglied der Fair Wear Foundation. Der Partner der Akademie für Textilveredler und Gastgeber der Puncher Convention N°2 am 22. September 2021 will mit diesem Schritt ein klares Statement für faire Arbeitsbedingungen in der Produktion setzen. Als Multi-Stakeholder-Initiative bringt Fair Wear lokale Partner in Produktionsländern, Verbände, NGOs und Textilunternehmen aus verschiedenen Branchen an einen Tisch. Das gemeinsame Ziel sind innovative Lösungen und eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion.

Für HAKRO ist die Mitgliedschaft eine stringente Verlängerung des unternehmenseigenen Wertekompasses und der darin festgeschriebenen sozialen Nachhaltigkeitsverpflichtung. „Die Qualität unserer Kollektion ist untrennbar verbunden mit der Lebensqualität jedes einzelnen Menschen, der an der Entstehung unserer Kleidungsstücke beteiligt ist“, so Carmen Kroll, geschäftsführende Gesellschafterin der HAKRO GmbH. Durch die Mitgliedschaft bei Fair Wear geht das Unternehmen einen weiteren großen Schritt zu noch mehr Nachhaltigkeit.

Unterzeichnung des strengen Fair Wear-Verhaltenskodex (CoLP)

„Wir freuen uns, einen der wichtigsten Corporate-Fashion-Anbieter im Markt in den Reihen unserer über 140 Mitglieder begrüßen zu dürfen“, erklärt Alexander Kohnstamm, Geschäftsführer der Fair Wear Foundation. „Mit ihrem Beitritt setzt die HAKRO GmbH ein Zeichen und verpflichtet sich zu Transparenz und Kooperation.“
Bereits seit 2012 ist HAKRO Teil der amfori BSCI (Business Social Compliance Initiative), die ihrerseits die Verbesserung der Arbeits-und Sozialbedingungen in Produktionsbetrieben zum Ziel hat. Durch den Beitritt zur Fair Wear Foundation geht das Unternehmen nun den nächsten Schritt und verpflichtet sich zu den höchsten Sozialstandards – sowohl für die Mitarbeitenden seiner Produktionspartner im Ausland als auch für die 175 Mitarbeitenden am Standort in Schrozberg.

„Wir legen seit jeher die Messlatte in puncto faire Arbeitsbedingungen sehr hoch“

Zentraler Bestandteil der Mitgliedschaft ist die Unterzeichnung des strengen Fair Wear-Verhaltenskodex, des sogenannten Code of Labour Practices (CoLP). Dieser formuliert acht Kriterien, deren Überwachung und Einhaltung sich die Mitglieder zum Ziel setzen. Darunter: die Zahlung existenzsichernder Löhne, die Gewährleistung angemessener Arbeitszeiten und sicherer Arbeitsbedingungen sowie eine Absage an Kinderarbeit. Allen Mitarbeitenden in den Fabriken der Produktionspartner steht zudem ein von Fair Wear bereitgestellter Beschwerdemechanismus zur Verfügung. Im Rahmen eines jährlichen Brand Performance Checks beurteilt die Fair Wear Foundation das Nachhaltigkeitsmanagement von HAKRO. Durch Sozialaudits als zentrales Mittel können immer effektivere Nachhaltigkeitsmaßnahmen abgeleitet und bestehende Lösungsansätze optimiert werden. „Wir legen seit jeher die Messlatte in puncto faire Arbeitsbedingungen sehr hoch“, erklärt Carmen Kroll. „Wir freuen uns, die gemeinsamen Maßnahmen mit unseren langjährigen Produktionspartnern nun durch die objektive Bewertung und Unterstützung der Fair Wear Foundation zu intensivieren.“

 

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Hemd mit dem Siegel Grüner Knopf
Jetzt den Grünen Knopf 2.0 mitentwickeln

06.01.2021: Das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf soll weiterentwickelt werden. Daher ruft das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als Siegelgeber alle Interessierten zur aktiven Beteiligung am bevorstehenden Konsultationsprozess auf. Der Entwurf der Unternehmenskriterien für den Grünen Knopf 2.0 liegt vor und wurde vom Beirat des Grünen Knopfs unter Vorsitz von Michael Windfuhr (Stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte) bereits diskutiert und begrüßt. Der Kriterienentwurf und auch die Stellungnahme des Beirats finden Sie hier zum Download.

Den Grünen Knopf gibt es seit September 2019 in seiner ersten Fassung. Nun sollen die Maßnahmen zum Schutz von Menschen und Umwelt ausgeweitet und die Risiken noch besser adressiert werden. „Langfristig entlang der gesamten Lieferkette“, wie das BMZ mitteilt. Der öffentliche Konsultationsprozess startet mit einer ersten Befragungsrunde, die bis zum 31. Januar 2021 die Möglichkeit bietet, dem BMZ online oder per E-Mail Rückmeldungen zum Entwurf der Unternehmenskriterien zu geben. Im April 2021 soll dann in einer zweiten Konsultationsrunde der Gesamtstandard, also Unternehmens- und Produktkriterien, diskutiert werden. „Als staatlicher Siegelgeber ist uns die transparente Weiterentwicklung des Grünen Knopfs sowie die Einbindung aller Stakeholder im Entwicklungsprozess besonders wichtig“, sagt Gunther Beger, Abteilungsleiter des Grünen Knopfs im BMZ.

Vom Grünen Knopf 1.0 zum Grünen Knopf 2.0

Die Weiterentwicklung des staatlichen Siegels beinhaltet zum einen die Überarbeitung (Revision) der aktuellen Kriterien im Licht der Erfahrungen aus den Prüfungen in der noch laufenden Pilotphase. Zum anderen sollen neue Kriterien ergänzt werden. Die Schwerpunkte in der Überarbeitung der Unternehmenskriterien liegen auf den Themen Existenzsichernde Löhne, Beschwerdemechanismen, Policy und Berichterstattung, Einbezug von Betroffenen, Verankerung im Unternehmen und Vertiefung der Lieferkette. Laut BMZ wurden die aktuellen Unternehmenskriterien in der Vorbereitung auf ein geplantes Sorgfaltspflichtengesetz systematisch mit den OECD-Sektorempfehlungen für unternehmerische Sorgfaltspflichten abgeglichen. Die Finalisierung der Unternehmenskriterien für den Grünen Knopf 2.0 sollen bis Ende 2021 abgeschlossen sein.

Informationen zur Online-Konsultation: https://www.gruener-knopf.de/konsultation

Übrigens: Wer sich generell über den Grünen Knopf informieren möchte, kann dies kostenfrei in diesem Webinar tun: https://aka-tex.de/2021/01/04/der-gruene-knopf-weiterer-termin/

 

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Webinar des Grünen Knopfs
Der Grüne Knopf – weiterer Termin!

04.01.2021: Der Grüne Knopf – weiterer Webinar-Termin! Seit Beginn der Corona-Pandemie legen immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten großen Wert auf Nachhaltigkeit. Unternehmen können ihre Nachhaltigkeit sichtbar werden lassen und Produkte mit dem Grünen Knopf, dem staatlichen Siegel für sozial und ökologisch nachhaltige Textilien, zertifizieren. Das Besondere dabei: Neben dem Produkt wird auch geprüft, ob das Unternehmen seine Sorgfaltspflichten erfüllt. Damit bereitet der Grüne Knopf Unternehmen auch auf das kommende Sorgfaltspflichtengesetz vor. In einem kostenlosen und unverbindlichen Webinar der Geschäftsstelle Grüner Knopf am Montag, 25. Januar 2021, von 15:00 bis 16:00 Uhr, erfahren Sie, wie Sie Ihr Unternehmen effizient und unbürokratisch lizenzieren lassen können. Das Webinar lässt dabei auch viel Raum für eigene Fragen. Interessierte können sich hier kostenfrei online registrieren.

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Webinar des Grünen Knopfs
Webinar: Der Grüne Knopf – jetzt mitmachen!

03.11.2020: Seit Beginn der Corona-Pandemie legen immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten großen Wert auf Nachhaltigkeit. Unternehmen können ihre Nachhaltigkeit sichtbar werden lassen und Produkte mit dem Grünen Knopf, dem staatlichen Siegel für sozial und ökologisch nachhaltige Textilien, zertifizieren. Das Besondere dabei: Neben dem Produkt wird auch geprüft, ob das Unternehmen seine Sorgfaltspflichten erfüllt. Damit bereitet der Grüne Knopf Unternehmen auch auf das kommende Sorgfaltspflichtengesetz vor. In einem kostenlosen und unverbindlichen Webinar der Geschäftsstelle Grüner Knopf am Montag, 30. November 2020, von 15:00 bis 16:00 Uhr, erfahren Sie, wie Sie Ihr Unternehmen effizient und unbürokratisch lizenzieren lassen können. Webinar über den Grünen Knopf – jetzt mitmachen: Zur Anmeldung bitte hier klicken.

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Die Akademie für Textilveredlung bietet Seminare, Tagungen und Fortbildungsangebote für Textildrucker, Sticker und andere Textildekorateure. Die Veranstaltungen finden in Deutschland und Österreich statt. Partner sind Hersteller von Veredlungsmaschinen, Materialien für die Veredlung, Textilien, Verbände und Institutionen.Diese mehr als 50 Partner aus Industrie und Handel unterstützen die Akademie für Textilveredlung inhaltlich, finanziell und ideell und ermöglichen so das Aus- und Weiterbildungsprogramm. Die Referenten sind ausgewiesene Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten. Alle Seminare einfach und bequem unter Veranstaltungen buchen. Profitieren Sie von den Erfahrungen der Branche!

Ihr individuelle Schulung und Beratung: Zu einzelnen Themen kommen wir mit unseren Angeboten auch exklusiv in Ihr Unternehmen. Unsere Experten und Referenten beraten Sie individuell nach Ihren Wünschen und Bedürfnissen. Bei Interesse freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Unsere Kooperationspartner

Zu unseren Kooperationspartnern zählen unter anderem der Verband Südwesttextil, das Experten-Netzwerk des Signforum24, die MerchDays, die Düsseldorfer Fachmessen PromoTex Expo, PSI und viscom, die Hohenstein Academy, Bianca Seidel Consulting, Thomas Mosner Consulting, Quality Matters, der Verband Österreichischer Werbemittelhändler, die Unternehmen ConStitch und embcon, die Bremer Baumwollbörse, Eduard A. Schreiber, Reiner Knochel Textile Experience und der Akademie-Partner Gunold.